Warum Psychosomatik, Trauma und tiefes Körperwissen zusammengedacht gehören.
- Yuliya Grechukhina

- vor 5 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Wenn dein Körper zu dir spricht – Psychosomatik verstehen
Psychosomatik bedeutet: Körper und Psyche wirken untrennbar zusammen. Das bedeutet unsere Gefühle, Stress, innere ungelöste Konflikte und alte unintegrierte Erfahrungen zeigen sich nicht nur in unseren Gedanken oder Emotionen, sondern oft auch im Körper – zum Beispiel durch bekannte, langanhaltende Erschöpfung, chronische Schmerzen, Schlafprobleme, Verdauungsbeschwerden oder eine anhaltende innere Anspannung. Viele von uns sind mit dem Verständnis aufgewachsen den Körper von der Psyche isoliert zu betrachten. Das führt oft in die Irre, wenn es um eine ganzheitliche Interpretation der Symptome geht. Ein hoher Blutdruck zum Beispiel wird nicht als Resultat von anhaltenden Angst- oder Unsicherheitsgefühlen gesehen interpretiert und nicht selten mit Medikamenten "verpflastert", wo ein therapeutischer Angang viel nachhaltiger wäre.
Mit systemischer Haltung blicke ich auf den Körper nicht als "Problemträger", sondern als wertvollen Kompass. Symptome sind häufig hilfreiche Hinweise darauf, dass etwas im Inneren aus dem Gleichgewicht geraten ist, sich nach Balance sehnt – und gleichzeitig ein Schlüssel ist, um wieder in Verbindung mit sich selbst zu kommen.
Trauma wirkt im Nervensystem – nicht nur im Kopf
Belastende oder überwältigende Erfahrungen oder belastende uneingeplante Lebensphasen, hinterlassen Spuren in nserem Nervensystem. Auch wenn wir aus Abwehr dazu neigen Belastendes schnell zu verdrängen oder sich mit vermeintlich positiven Erlebnissen abzulenken, unser Körper bleibt dann dennoch in einem Zustand von Alarmbereitschaft, Rückzug oder Erstarrung. Er trägt diese unverarbeitete Energie und Emotionen in sich, wie ein Gefäß, dass sich nicht von alleine leert - selbst wenn wir uns die aufregendste Ablenkungsstrategie vornehmen. Das kann sich zeigen als:
chronische Anspannung oder innere Unruhe
Erschöpfung und emotionale Taubheit
Einschlafstörungen oder Durchschlagstörungen
diffuse körperliche Beschwerden
Schwierigkeiten, sich sicher und verbunden zu fühlen
Traumasensible Psychotherapie bietet mit ihrer Haltung einen nicht pathologisierenden Umgang mit diesen Reaktionen. Sie lädt dazu ein der Sprache des Körpers zu lauschen und sie verestehen zu lernen und die Schutzstrategien des Körpers zu verstehen. Über achtsame Körperwahrnehmung, Stabilisierung und Regulation kann das Nervensystem Schritt für Schritt lernen, wieder mehr Sicherheit zu erleben und das Erlebte zu integrieren.
Auswirkungen auf das innere Gleichgewicht
Wenn der Körper dauerhaft im Stressmodus ist, fällt es uns schwer, uns selbst gut zu spüren. Viele Menschen beschreiben ihre Beschwerden in meinem Praxisraum mit diesen Worten:
den Verlust von Vertrauen in den eigenen Körper - "Ich fühle mich wie taub."
Schwierigkeiten, Bedürfnisse wahrzunehmen - "Ich weiß nicht, wer ist bin."
ein Gefühl von innerer Leere oder Getrenntsein - "Ich funktioniere gut aber fühle mich leer."
fehlende Orientierung im eigenen Erleben - "Ich weiß nicht, was gut für mich ist."
Körperorientierte Psychotherapie unterstützt dabei, diese Verbindung sanft Sitzung für Sitzung wieder aufzubauen. Durch das bewusste Wahrnehmen von Empfindungen, Grenzen und Ressourcen entsteht eine neue innere Stabilität, Selbstwirksamkeit und ein tieferes Gefühl von "bei sich sein" können.
Psychosomatik in Beziehungen
Auch in Partnerschaften wirkt das Nervensystem immer mit und wir ahnen nicht wie viel es mit unseren partnerschaftlichen Konflikten, dem Erleben von sich in Beziehung oder dem Gegenüber zu tun hat. Wer innerlich angespannt oder überfordert ist oder sich allgemein nicht sicher fühlt, reagiert schneller mit Rückzug, Gereiztheit oder emotionaler Überflutung. Alte Beziehungserfah-rungen und Bindungsmuster prägen, wie Nähe von uns erlebt wird.
In der therapeutischen Arbeit kann nach und nach sichtbar werden:
warum bestimmte Konflikte sich immer wiederholen
weshalb Nähe manchmal nahezu körperliche Angst auslöst
wie Schutzstrategien wie Rückzug oder Kontrolle entstanden sind
Mit wachsender Selbstwahrnehmung entsteht die Möglichkeit, neue Formen von Kontakt, Kommunikation und Verbindung zu entwickeln – sowohl mit sich selbst als auch mit der Partnerperson.
Körperwissen, Sexualität und Selbstwahrnehmung
Sexualität ist eng mit dem Körpergefühl, innerer und äußerer Sicherheit und dem eigenen Selbstbild verbunden. Wenn der Körper mit Stress, Scham oder alten Verletzungen verknüpft oder im Moment überflutet ist, kann sich das im intimen Kontakt zeigen durch:
Lustlosigkeit
Schmerzen beim Sex
Schwierigkeiten mit Nähe
das Gefühl, "nicht richtig im Körper zu sein" oder "woanders zu sein".
Eine körperorientierte und traumasensible Haltung eröffnet hier einen besonders behutsamen Zugang. Wo früher Funktionieren oder Leistung bringen angesagt war, entsteht ein neues Skript. Es geht nun um Sicherheit, klar kommunizierte Grenzen und Bedürfnisse wahrnehmen und respektieren. Auf dieser Basis kann sich auch die Sexualität ganz neu entwickeln – lebendiger, freier und stimmiger.
Der Körper als Verbündeter im Heilungsprozess
Psychosomatik lädt uns dazu ein, Symptome nicht zu bekämpfen, sondern zu verstehen und auf sie zu reagieren. Den die tiefe Weisheit, die wir in uns tragen, ist eine der wichtigsten Medizinen. In der therapeutischen Begleitung biete ich dir einen Raum, diese Signale zu entschlüsseln und die Verbindung zu sich selbst zu stärken oder wieder aufzunehemen.
Heilung bedeutet dabei nicht, dass alles sofort verschwindet. Oft geht es vielmehr um einen Weg zurück in mehr Selbstkontakt, innere Sicherheit und Vertrauen in den eigenen Rhythmus, mit dem du durchs Lebens gehst.




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